E-Commerce-Projekt

Der Vertrag mit der Web-Agentur

 

Stehen Software und Agentur fest, kommt es zum “Schwur”: Sie schließen einen Projektvertrag. Wir empfehlen Ihnen dringend, den Startschuss zur Umsetzung des Projekts nicht zu geben, bevor die vertragliche Grundlage nicht verhandelt und unterschrieben ist.

Da E-Commerce-Projekte nur in den allerseltensten Fällen reibungslos verlaufen, sollten Sie insbesondere bei der Verhandlung des Projektvertrags mit der Agentur anwaltliche Beratung in Anspruch nehmen und nicht einfach den Vertrag unterzeichnen, der Ihnen vielleicht vorlegt wird. Der Vertrag sollte vorab jedwedes Konfliktpotential ausräumen.

Wir erleben regelmäßig, dass unsere Kanzlei um Hilfe gebeten wird, nachdem die berühmte „Projektschieflage“ bereits eingetreten ist: Das Projekt läuft nicht wie erwartet, Zeitpläne werden nicht eingehalten, Fehler nicht behoben. Es droht das Scheitern des Projekts mit anschließendem Gerichtsprozess, der in der Regel Jahre dauert und äußerst kostenintensiv ist. Eine solche Situation lässt sich häufig vermeiden, wenn die Parteien sich vor Beginn des Projekts die Mühe machen, einen Projektvertrag auszuhandeln.

In einem solchen Vertrag werden vorab die Grundlagen des Projekts partnerschaftlich festgelegt und schriftlich fixiert. Werden sich beide Seiten vorab darüber klar, wie sämtliche Abläufe und Vertragsinhalte behandelt werden sollen, ist bereits ein Großteil der möglichen Streitigkeiten ausgeräumt.

Vorteile von Vertragsverhandlungen

Die Vertragsverhandlungen bieten eine hervorragende Möglichkeit, schon im Vorfeld mögliches Streitpotential auszuräumen, wenn sie von spezialisierten und erfahrenen Anwälten begleitet werden. Nach unserer Erfahrung werden durch solche Vertragsverhandlungen in aller Regel konstruktive und positive Prozesse in Gang gesetzt, von denen beide Seiten profitieren. Sie sollten daher auch Ihr Projekt vorab auf ein solides, rechtliches
Fundament stellen.

Der Projektvertrag sollte folgende Punkte regeln:

WAS ist vom Auftragnehmer konkret zu leisten?

Früher wurde in der Regel nach dem klassischen “Wasserfallmodell“ verfahren. Dazu ist es nötig, dass der Auftraggeber ein umfangreiches Lasten bzw. Pflichtenheft vorlegt, in dem alle Anforderungen detailliert enthalten sind. Dadurch ist auch der Leistungsinhalt genau festgelegt.

Heute werden vermehrt agile Methoden angewendet. Es werden nur noch rudimentäre Anforderungen festgelegt. Dies hat den Vorteil, dass mit der Programmierung möglichst schnell und flexibel begonnen
werden kann. Probleme können jedoch dann entstehen, wenn es im Projekt um die Umsetzung im
Detail geht und die Vorstellungen beider Seiten auseinandergehen. Dies lässt sich jedoch vermeiden. Auch bei agilen Methoden lassen sich die Anforderungen im Vertrag deutlich konkreter abbilden, als dies in reinen Angeboten zumeist der Fall ist. Es liegt dann zwar immer noch kein klassisches Lasten- oder Pfl ichtenheft vor,
aber der Leistungskatalog ist zumindest grundsätzlich festgelegt.

Wurde vor Projektbeginn ein Anforderungsworkshop durchgeführt, kann zudem auf dessen Ergebnisse
zurückgegriffen und diese zur Vertragsgrundlage gemacht werden.

WIE VIEL soll das Projekt kosten?

In der Praxis möchte der Auftragnehmer am liebsten nach Aufwand abrechnen, der Auftragnehmer wünscht
sich Planungssicherheit und einen Festpreis. Da bei agilen Methoden der Leistungsinhalt nur grob umrissen ist, gibt der Auftragnehmer im Angebot in der Regel nur eine unverbindliche Kostenschätzung ab. Entwickelt sich die Software im Projekt dann nicht nach den Vorstellungen des Auftraggebers, rechnet der Auftragnehmer für gewünschte Änderungen zusätzliche Vergütung ab, die den Rahmen der Kostenschätzung übersteigt. Damit ist der Auftraggeber aber meist nicht einverstanden, weil er diese Arbeiten als „Nachbesserungen“ ansieht. Auch hier liegt großes Konfliktpotential, das sich durch entsprechende, vertragliche Regelungen deutlich verringern
lässt.

WANN soll das Projekt fertig werden?

Der Auftraggeber benötigt Planungssicherheit zur Fertigstellung des Projekts. Verzögerungen werden häufig teuer, da etwa Marketingmaßnahmen bereits anlaufen und Personal eingestellt wurde. Bei der Anwendung agiler Methoden kommt es jedoch häufig zu Änderungen oder Erweiterungen der ursprünglich angedachten Leistung, so dass ein Fertigstellungstermin vorab nur schwer festgelegt werden kann. Sagt der Auftragnehmer hier einen konkreten Termin zu, geht er ein großes wirtschaftliches Risiko ein.

Sie sollten verbindliche Regelungen zu Terminen und den Voraussetzungen vereinbaren, unter denen Terminsverschiebungen vertraglich noch zulässig sind.

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